Sophia Bolzano
Konfliktliebhaberin & Brückenbauerin

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Sophia Bolzano – Konfliktliebhaberin & Brückenbauerin

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Hörst du mir überhaupt zu? Du verstehst mich nicht…

Hörst du mir überhaupt zu? Du verstehst mich nicht…

Am 3.3 war der Welttag des Hörens. Für mich ein guter Zeitpunkt Hören, Hinhören, Zuhören oder sogar Erhören genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wer redet sät, wer zuhört erntet.

Sprichwort aus Argentinien

In vielen Diskussionen, Gesprächen und auch Streits sind wir oft vorwiegend damit beschäftigt, uns unsere Argumente zu überlegen und zurechtzulegen. Genau in den Momenten spricht aber der Andere, unser Gegenüber mit uns. Wie können wir da zuhören, wenn wir schon an unserer Antwort feilen? Daraus ergibt sich, dass es wahrlich eine „allerhöchste Kunst ist, gut zuzuhören und treffend zu antworten“ (dieser Satz wird Francois de la Rochefoucauld, französischer Adeliger und Literat des 17. Jahrhunderts zugeschrieben).

In einem spannenden Artikel habe ich gelesen, dass wir oft nur miteinander reden aber nicht aufeinander hören. Deshalb wollte ich mir das einmal genauer anschauen: Wo sind denn die Unterschiede beim Hören, Zuhören oder Erhören?

Hören                   

Hören ohne Zuhören bedeutet, dass ich weiterhin vor allem mit mir selbst beschäftigt bin und nur darauf warte, endlich selbst sprechen zu können. Gefühlsmäßig bin ich irgendwo. Der Wiener hat dafür einen schönen Ausdruck „Sprichs in ein Sackerl – ich hörs mir morgen an“.

Zuhören

Wenn ich zuhöre, heißt das noch lange nicht, dass ich tatsächlich entdecken will, was der / die andere wirklich meint. Ich kann immer noch emotional distanziert sein. Ich höre zwar zu, schwinge aber nur wenig mit dem anderen mit.

Erhören und aktives Zuhören

Hier versuche ich mich in meinen Partner, meine Partnerin hineinzuversetzen. Ich bin voll und ganz bei ihr, bei ihm. Ich erkenne auch, was zwischen den Zeilen gesagt wird, da ich auch auf Mimik und Körpersprache achten kann.

Was für mich „Erhören“ bedeutet, wird im Allgemeinen als aktives Zuhören bezeichnet. Genauso ist es natürlich auch wichtig, leicht verständlich zu sprechen. So stehen die Chancen recht gut, dass die Kommunikation im Fluss bleibt.

Eckpfeiler für eine gelingende Kommunikation:

  • Die Meinung des anderen zu respektieren – heißt nicht, dass wir sie akzeptieren müssen.
  • Wertschätzung und Humor
  • Mein Gegenüber ernst nehmen – kein Spötteln, kein Kleinmachen, kein Sarkasmus oder Zynismus
  • Zeit nehmen – Stress verhindert gutes Zuhören
  • Nachfragen, wenn etwas nicht verstanden wird, gehört dazu.
  • Besserwisser oder „Oberlehrer“ machen gute Gespräche sehr schwierig.
  • Keine Bewertungen des Gehörten
  • Wenn wir wirklich zuhören, erhören, schwingt unser ganzer Körper mit: Kopfnicken, zugewandte Körperhaltung, offene Augen, ev. auch Körperkontakt.
  • Ich kann das Gehörte auch wiederholen – das wird in vielen Paartherapien und Beratungen empfohlen – um sicher zu stellen, dass ich wirklich alles richtig verstanden habe.
  • Gefühle dürfen raus – wenn möglich in Ich -Botschaften: „Ich fühle mich gerade sehr traurig“ – kein „aber du bist schuld, dass ich so traurig bin“.
  • Fragen stellen: Ich versuche durch Fragen den geliebten Menschen, der mir gerade gegenübersitzt, noch besser zu verstehen. „Wie hast du das erlebt? Wieso hast du so reagiert?“ Aus meiner Erfahrung helfen Fragen immer weiter, wenn wir tatsächlich an den Antworten interessiert sind.

Zu guter Letzt noch eine kleine Geschichte: „Eine etwas gestresste Mutter schreibt gerade ein wichtiges Email. Ihre vierjährige Tochter kommt zu ihr und sagt: „Mami, Mami ich muss dir was erzählen, gerade hat sich…..“ Die Mutter hebt kurz den Kopf und meint: „Ja erzähle es mir!“ Das Töchterchen fängt begeistert von ihrem Erlebnis in der Sandkiste zu sprechen, und wie ein kleiner Vogel neben ihr sitzend ein Lied gesunden hat. Die Mutter nickt, sagt Aha toll, mmh. Während das Mädchen redet, schreibt die Mutter jedoch weiter an ihrem Email. Nach einer Weile spürt das Kind, das die Mutter gar nicht bei ihr ist und zieht nach draußen ab. Traurig und frustriert, der Vogel hatte doch so schön gesungen. Irgendwann merkt auch die Mutter, dass ihre Tochter wieder weg ist und versinkt trotzdem weiter in ihrer Arbeit.“

Was ist hier alles verloren gegangen? Der Mutter ist es nicht gelungen, zu hören, zu zuhören geschweige denn zu erhören. Sie hat Interesse vorgetäuscht. Dadurch entsteht beim Kind der Eindruck, dass es für seine Mutter keine große Wichtigkeit zu haben scheint. Wenn dies einmal geschieht, ist es sicherlich kein Drama. Wenn es selten bis nie erhört wird, wendet sich das Kind innerlich ab und erzählt immer weniger. Die Eltern haben dann oft keine Ahnung, was in ihren Kindern vorgeht. Gerade in der Pubertät ein schwieriges Element.


Wenn wir es schaffen voll und ganz zu zuhören, ja sogar zu erhören, dann nehmen wir am Leben des anderen, der anderen teil. Ich zeige echtes Interesse und ich nehme mir Zeit für meine Beziehungen.

In Zeiten wie diesen – was gibt es Wichtigeres als wertschätzende, liebevolle Beziehungen und Partnerschaften?

Du brauchst Unterstützung in Sachen Kommunikation, Fragen stellen, Zuhören und Erhören? Melde dich gerne jederzeit – ich begleite dich / euch sehr gerne, denn es gibt nichts Besseres als gute, liebevolle, Kommunikationsreiche Beziehungen.

Alles Liebe

Siehe auch: http://www.rhetorik.ch/Hoeren/Hoeren.html von Hildegard Knill

Fotocredits: freepik @wayhomestudio

Muss ich immer recht haben?

Muss ich immer recht haben?

Der Satz aus einem kürzlich gelesenen Artikel „eines der größten Übel der Menschheit ist das unerträgliche Bedürfnis, immer Recht zu haben“ hat mich nachdenklich gemacht. Stimmt der so?

Jeder Mensch hat seine eigene Wahrnehmung davon, wie die Welt ist, und geht davon aus, dass diese für alle Menschen gleich ist. Wie wir wissen, stimmt das natürlich nicht. Ich möchte dazu einen ganz kurzen Moment in den radikalen Konstruktivismus eintauchen, der behauptet: Die Essenz dieser philosophischen Zugangsweise ist, dass die eigene Wahrnehmung kein Abziehbild der Realität ist, sondern dass diese Wirklichkeit für jeden von uns immer ein „Bauwerk“ aus unseren Sinnen und unserem Gedächtnis zeigt. Aus diesem Grund ist für uns echte Objektivität unmöglich – jede unserer Wahrnehmungen ist subjektiv eingefärbt, ein von uns konstruiertes Bild.

Dazu eine kleine Geschichte, um das konstruktivistische Denken besser nachvollziehen zu können – von Paul Watzlawick (aus dem Buch Anleitung zum Unglücklichsein):

„Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und da bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht’s wirklich. – Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er „Guten Tag“ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Behalten Sie sich Ihren Hammer, Sie Rüpel!“

Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücksein. München 1984. S37f

Ein wunderbares Beispiel wie sich einen Gedankenkonstrukt zu meinem Nachteil wandelt. Hast du so etwas ähnliches schon erlebt?

Wenn wir mit dieser inneren Einstellung anderen begegnen, entstehen natürlich Konflikte und das harmonische Gleichgewicht in Beziehungen geht verloren. Klarerweise ist es sehr reizvoll, recht zu haben. Wir empfinden Genugtuung, da wir doch unglaublich klug sind, unser Selbstwertgefühl steigt kurzfristig an.

Doch geht dabei ein gewisses Maß an Empathie, an Mitgefühl verloren, wenn es mir nicht gelingt, den Blickwinkel meines Gegenübers zumindest zu akzeptieren, zu respektieren. Wir haben ja auch immer wieder diesen Drang, alles verstehen zu müssen. Vielleicht kommt auch aus dieser Ecke die Überzeugung „Meine Wahrheit ist die einzige Wahrheit“ – weil wir die anderen Sichtweisen weder nachvollziehen geschweige denn verstehen können.

Muss ich alles verstehen?

Über eine lange Zeit war mein oberstes Ziel „ich muss alles verstehen und erklären können“. Was soll ich sagen. Ich bin formidabel gescheitert. Es ist unmöglich alles zu erkennen, zu wissen.

Inzwischen weiß ich, dass – wenn ich auf dem Recht-haben-Trip bleibe – auch eine gewisse Isolation in Kauf nehme. Oder magst du Menschen, die immer Recht haben wollen? Wir wenden uns ab, weil wir viel lieber mit fröhlichen Menschen in Verbindung treten und uns mit ihnen wohlfühlen wollen. Dazu braucht es aber auch die Einstellung „ich verzichte auch mal darauf das letzte Wort zu haben“ und „ich muss nicht alles verstehen“.

Wohin haben uns denn diese unerschütterlichen Überzeugungen geführt? Wir brauchen uns nur die kürzesten Ereignisse anschauen – sei es weltweit oder auch in Österreich. Unsere Welt, unsere Beziehungen sind nicht nur schwarz oder weiß, sondern bunt. Ist es nicht wunderbar, dass es so viele Facetten gibt? Wir brauchen doch die anderen Menschen, um zu lernen und zu wachsen. Wenn wir uns unerbittlich an unserer eigenen Meinung festkrallen und keine andere Sicht zulassen, dann haben Fortschritt und Zusammenwachsen keine Chance.

Zu guter Letzt hat diese Einstellung auch Einfluss auf unsere Gesundheit: „Einer Studie der University of Bradford (England, Vereinigtes Königreich) zufolge leide ein Großteil der Menschen, die immer recht haben wollen, an hohen Kortisolspiegeln (Kortisol ist ein Stresshormon), Geschwüren und dysfunktionalen Beziehungen.“ Weiters wird in dem Artikel aufgezeigt, dass diese Menschen „die Harmonie in ihrer Umgebung negativ beeinflussen, wohin auch immer sie gehen.“

Deshalb meine Eingangsfrage noch einmal gestellt:

Muss ich immer recht haben und zu welchem Preis?

Wenn dich dieser Newsletter zum Nachdenken angeregt hat, freue mich auch über das eine oder andere Kommentar auf meiner Homepage.

Wenn du deine Beziehungen, deine Einstellungen und Glaubenssätze einmal anders betrachten möchtest, begleite ich dich gerne.

Alles Liebe

Sophia Bolzano

PS: Hast du schon mein neuestes Video gesehen? Hier zeige ich dir meinen Arbeitsplatz.

Quelle: https://gedankenwelt.de/das-unertraegliche-beduerfnis-immer-recht-zu-haben/

Foto copyright pexels-pixabay