Es grünt so grün

Es grünt so grün

Frühling, St. Patrick und Corona –  die Welt im Wandel

Der Frühlingsbeginn zeigt uns, dass es immer wieder einen Neuanfang gibt. Die Natur erwacht wieder zum Leben (auch wenn der Winter mit Schnee und Eis immer wieder darauf hinweist, dass er noch da ist) und zu Ostern wird ja das Fest der Auferstehung gefeiert. Es zeigt uns, dass die Hoffnung zuletzt stirbt. Auf unsere derzeitige Situation umgelegt, heißt das, dass auch wir irgendwann wieder ein normaleres Leben haben werden. Davon bin ich fest überzeugt.

St. Patricks Day ist ein kirchliches Hochfest, dass weltweit von den Iren gefeiert wird. Doch wer war dieser St. Patrick? Fest steht, dass er einer der berühmtesten Schutzheiligen Irlands ist. Laut der Legende brachte er das Christentum auf die Insel und befreite Irland von der Schlangenplage. Aber soweit geschichtlich bekannt, gab es nie so viele Schlangen in Irland. Anscheinende stehen die Schlangen als Metapher für das Heidentum sind, welches St. Patrick verdrängt hat. Normalerweise finden an diesem Tag bunte Paraden statt, in einigen Städten (z. B. Chicago) sogar die Flüsse grün eingefärbt und manchmal auch das berühmte Guinness Bier.

Feste und Rituale sind jedenfalls wichtig für uns – für Kinder aber auch für uns Erwachsene. Ob religiös oder weltlich, sie vermitteln Sicherheit und Stabilität. Gewisse Dinge bleiben immer gleich.

Corona hat dem Frühlingsbeginn und dem Feiertag des heiligen Patricks nichts anhaben können,  aber leider hat die Pandemie vieles durcheinander gewirbelt – unsere Welt eine ganz andere als vor 12 Monaten.

So schaut’s aus:

  • Manche von uns haben so gut wie keine Arbeit mehr.
  • Andere gehen in Arbeit unter oder sind in Kurzarbeit.
  • Home Schooling – vor einem Jahr noch unvorstellbar – ist für die meisten Eltern eine zusätzliche Belastung und bleibt uns auch noch eine Weile erhalten.
  • Home Office, vorher von vielen Firmen als undenkbar dargestellt, ist einfach normal und Alltag geworden, viele haben seit Monaten ihre Kollegen*innen nur mehr am Bildschirm gesehen. Und wahrscheinlich wird diese Arbeitsform für die meisten erhalten bleiben – vielleicht nicht mehr täglich, aber doch.
  • Viele haben Schlafstörungen, kaum soziale Kontakte, sind psychisch im Eck – auch unsere Kinder. Die Zahlen derer, die Hilfe in Anspruch nehmen, steigen.

Also alles in allem eine sehr unangenehme Zeit. Anfangs haben wir noch Wohnungen, Häuser entrümpelt, geputzt, renoviert. Haben lange liegen Gebliebenes erledigt und aufgearbeitet. Haben viel mehr Zeit mit unseren Familien und Liebsten verbracht. Doch irgendwann gibt es nichts mehr aufzuräumen und zu viel Nähe kann auch sehr anstrengend sein.

Das Leben unter der Lupe

Wir werden auf uns zurückgeworfen, wie mit einer Lupe ausgestattet starren wir auf unser Leben und überlegen:

  • Will ich wirklich so weiterleben?
  • Will ich mein Leben vor Corona zurück?
  • Will ich Veränderung und wenn ja welche?

Gleichzeitig zu diesem genauen Blick sind wir jedoch schon sehr erschöpft und haben vielleicht gar nicht mehr die Kraft, Entwicklung und Veränderungen anzugehen.

Was tun?

Vielleicht hilft uns jetzt doch der Frühling. Es wird heller, wärmer, sonniger. Unser Körper drängt wieder mehr in die frische Luft. Der Spruch „In einem gesunden Körper ruht ein gesunder Geist“ könnte uns zeigen, dass wir vielleicht zuerst unseren „Body“ aufpäppeln und uns dann um unsere Psyche und unseren Geist kümmern. Schritt für Schritt.

Und da helfen uns Rituale. Wir könnten ja jeden Tag unsere 15 Minuten St. Patricks Day einführen und „grün“ sehen: 15 Minuten in einem Park, auf einer Wiese, durch den Wald gehen – je nachdem wo wir wohnen. Oder einmal um den Block – ausgestattet mit etwas grünem – einer Brille, Mütze, Socken. Es geht ja auch darum, Gewohnheiten zu durchbrechen. So kann es ja schon normal geworden sein, zu jammern und zu streiten. Immer wegen den gleichen Dingen. Bringt ja auch nix.

Wenn gar nichts mehr geht, und nur mehr trübe Gedanken durch den Kopf schwirren und wenn die Beziehung sich doch nicht als so toll herausstellt oder von den vielen Jahren des Zusammenseins ramponiert und zu routiniert geworden ist. Dann sollten wir besonders achtsam und aufmerksam sein. Vor allem um zu sehen, was alles trotz dieser ganzen Umstände gut funktioniert, worauf wir uns verlassen können.

Viele Paare fangen jetzt erst richtig an, miteinander zu reden, offen und schonungslos. Und nähern sich so wieder an oder kommen drauf, dass es Zeit ist, sich zu trennen. Auch eine Möglichkeit.

Frühling hin oder her, die Zeiten in denen wir leben, erinnern die Älteren unter uns auch an Kriegszeiten. Wenig Hoffnung, viele Beschränkungen. Doch auch der ärgste Krieg hatte ein Ende, und wir Menschen haben es so gut wie immer geschafft, wieder neu anzufangen. Und das wird auch wieder geschehen. Die Frage wird nur sein, wie wollen wir den Neuanfang haben. So wie davor oder doch ganz anders? Und wie soll dieses anders sein?

Was ist das Gute an diesem „Schlechten“?

  • Wir schätzen unsere wahren Freunde wieder mehr.
  • Wir sehen vieles klarer.
  • Wir erkennen leichter, was wir wollen und was nicht.
  • Wir müssen uns mit uns beschäftigen und vielleicht Hilfe in Anspruch nehmen, damit sich Dinge ändern.
  • Wir sind achtsamer, empathischer, vielleicht auch sensibler, was um uns herum geschieht.
  • Wir wissen, was wir vermissen und was gar nicht.

Das heißt, diese so anstrengende Zeit hat auch großes Potential, dass wir es schaffen, Veränderungen, Entwicklungen in Angriff nehmen. Manchmal mit Unterstützung, aber es ist möglich.

Eine große Ressource, die quasi vor der Tür liegt und auf uns wartet, ist Bewegung. Sei es Spazieren gehen, laufen, Rad fahren – kürzlich habe ich sogar eine Akrobatik-Truppe im Burggarten entdeckt – es lässt sich so vieles im Freien machen. Wir können unsere Energietanks wieder auffüllen und sind besser für diese anstrengende Zeit gerüstet.

Vor einer Weile stand in einem Artikel im Kurier „Im Gehen die Welt entdecken – der Spaziergang ist besser als sein Ruf. Er hilft dem Gehirn, Probleme zu lösen, macht glücklich und wirkt – aber einer gewissen Dauer – lebensverlängernd.“

Durch die Pandemie haben viele diese Bewegungsform neu entdeckt und genutzt. Wie Gabriele Kuhn in ihrem Artikel schreibt: „Probleme gehen auf Distanz, Gedanken ordnen sich neu, Perspektiven entstehen. Wir kommen weiter.“

Vielleicht ist das auch noch etwas Gutes an dieser Corona-Geschichte – wir entdecken uns neu in Bewegung.

Foto von biancoblue by freepik

Hörst du mir überhaupt zu? Du verstehst mich nicht…

Hörst du mir überhaupt zu? Du verstehst mich nicht…

Am 3.3 war der Welttag des Hörens. Für mich ein guter Zeitpunkt Hören, Hinhören, Zuhören oder sogar Erhören genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wer redet sät, wer zuhört erntet.

Sprichwort aus Argentinien

In vielen Diskussionen, Gesprächen und auch Streits sind wir oft vorwiegend damit beschäftigt, uns unsere Argumente zu überlegen und zurechtzulegen. Genau in den Momenten spricht aber der Andere, unser Gegenüber mit uns. Wie können wir da zuhören, wenn wir schon an unserer Antwort feilen? Daraus ergibt sich, dass es wahrlich eine „allerhöchste Kunst ist, gut zuzuhören und treffend zu antworten“ (dieser Satz wird Francois de la Rochefoucauld, französischer Adeliger und Literat des 17. Jahrhunderts zugeschrieben).

In einem spannenden Artikel habe ich gelesen, dass wir oft nur miteinander reden aber nicht aufeinander hören. Deshalb wollte ich mir das einmal genauer anschauen: Wo sind denn die Unterschiede beim Hören, Zuhören oder Erhören?

Hören                   

Hören ohne Zuhören bedeutet, dass ich weiterhin vor allem mit mir selbst beschäftigt bin und nur darauf warte, endlich selbst sprechen zu können. Gefühlsmäßig bin ich irgendwo. Der Wiener hat dafür einen schönen Ausdruck „Sprichs in ein Sackerl – ich hörs mir morgen an“.

Zuhören

Wenn ich zuhöre, heißt das noch lange nicht, dass ich tatsächlich entdecken will, was der / die andere wirklich meint. Ich kann immer noch emotional distanziert sein. Ich höre zwar zu, schwinge aber nur wenig mit dem anderen mit.

Erhören und aktives Zuhören

Hier versuche ich mich in meinen Partner, meine Partnerin hineinzuversetzen. Ich bin voll und ganz bei ihr, bei ihm. Ich erkenne auch, was zwischen den Zeilen gesagt wird, da ich auch auf Mimik und Körpersprache achten kann.

Was für mich „Erhören“ bedeutet, wird im Allgemeinen als aktives Zuhören bezeichnet. Genauso ist es natürlich auch wichtig, leicht verständlich zu sprechen. So stehen die Chancen recht gut, dass die Kommunikation im Fluss bleibt.

Eckpfeiler für eine gelingende Kommunikation:

  • Die Meinung des anderen zu respektieren – heißt nicht, dass wir sie akzeptieren müssen.
  • Wertschätzung und Humor
  • Mein Gegenüber ernst nehmen – kein Spötteln, kein Kleinmachen, kein Sarkasmus oder Zynismus
  • Zeit nehmen – Stress verhindert gutes Zuhören
  • Nachfragen, wenn etwas nicht verstanden wird, gehört dazu.
  • Besserwisser oder „Oberlehrer“ machen gute Gespräche sehr schwierig.
  • Keine Bewertungen des Gehörten
  • Wenn wir wirklich zuhören, erhören, schwingt unser ganzer Körper mit: Kopfnicken, zugewandte Körperhaltung, offene Augen, ev. auch Körperkontakt.
  • Ich kann das Gehörte auch wiederholen – das wird in vielen Paartherapien und Beratungen empfohlen – um sicher zu stellen, dass ich wirklich alles richtig verstanden habe.
  • Gefühle dürfen raus – wenn möglich in Ich -Botschaften: „Ich fühle mich gerade sehr traurig“ – kein „aber du bist schuld, dass ich so traurig bin“.
  • Fragen stellen: Ich versuche durch Fragen den geliebten Menschen, der mir gerade gegenübersitzt, noch besser zu verstehen. „Wie hast du das erlebt? Wieso hast du so reagiert?“ Aus meiner Erfahrung helfen Fragen immer weiter, wenn wir tatsächlich an den Antworten interessiert sind.

Zu guter Letzt noch eine kleine Geschichte: „Eine etwas gestresste Mutter schreibt gerade ein wichtiges Email. Ihre vierjährige Tochter kommt zu ihr und sagt: „Mami, Mami ich muss dir was erzählen, gerade hat sich…..“ Die Mutter hebt kurz den Kopf und meint: „Ja erzähle es mir!“ Das Töchterchen fängt begeistert von ihrem Erlebnis in der Sandkiste zu sprechen, und wie ein kleiner Vogel neben ihr sitzend ein Lied gesunden hat. Die Mutter nickt, sagt Aha toll, mmh. Während das Mädchen redet, schreibt die Mutter jedoch weiter an ihrem Email. Nach einer Weile spürt das Kind, das die Mutter gar nicht bei ihr ist und zieht nach draußen ab. Traurig und frustriert, der Vogel hatte doch so schön gesungen. Irgendwann merkt auch die Mutter, dass ihre Tochter wieder weg ist und versinkt trotzdem weiter in ihrer Arbeit.“

Was ist hier alles verloren gegangen? Der Mutter ist es nicht gelungen, zu hören, zu zuhören geschweige denn zu erhören. Sie hat Interesse vorgetäuscht. Dadurch entsteht beim Kind der Eindruck, dass es für seine Mutter keine große Wichtigkeit zu haben scheint. Wenn dies einmal geschieht, ist es sicherlich kein Drama. Wenn es selten bis nie erhört wird, wendet sich das Kind innerlich ab und erzählt immer weniger. Die Eltern haben dann oft keine Ahnung, was in ihren Kindern vorgeht. Gerade in der Pubertät ein schwieriges Element.


Wenn wir es schaffen voll und ganz zu zuhören, ja sogar zu erhören, dann nehmen wir am Leben des anderen, der anderen teil. Ich zeige echtes Interesse und ich nehme mir Zeit für meine Beziehungen.

In Zeiten wie diesen – was gibt es Wichtigeres als wertschätzende, liebevolle Beziehungen und Partnerschaften?

Du brauchst Unterstützung in Sachen Kommunikation, Fragen stellen, Zuhören und Erhören? Melde dich gerne jederzeit – ich begleite dich / euch sehr gerne, denn es gibt nichts Besseres als gute, liebevolle, Kommunikationsreiche Beziehungen.

Alles Liebe

Siehe auch: http://www.rhetorik.ch/Hoeren/Hoeren.html von Hildegard Knill

Fotocredits: freepik @wayhomestudio

Muss ich immer recht haben?

Muss ich immer recht haben?

Der Satz aus einem kürzlich gelesenen Artikel „eines der größten Übel der Menschheit ist das unerträgliche Bedürfnis, immer Recht zu haben“ hat mich nachdenklich gemacht. Stimmt der so?

Jeder Mensch hat seine eigene Wahrnehmung davon, wie die Welt ist, und geht davon aus, dass diese für alle Menschen gleich ist. Wie wir wissen, stimmt das natürlich nicht. Ich möchte dazu einen ganz kurzen Moment in den radikalen Konstruktivismus eintauchen, der behauptet: Die Essenz dieser philosophischen Zugangsweise ist, dass die eigene Wahrnehmung kein Abziehbild der Realität ist, sondern dass diese Wirklichkeit für jeden von uns immer ein „Bauwerk“ aus unseren Sinnen und unserem Gedächtnis zeigt. Aus diesem Grund ist für uns echte Objektivität unmöglich – jede unserer Wahrnehmungen ist subjektiv eingefärbt, ein von uns konstruiertes Bild.

Dazu eine kleine Geschichte, um das konstruktivistische Denken besser nachvollziehen zu können – von Paul Watzlawick (aus dem Buch Anleitung zum Unglücklichsein):

„Ein Mann will ein Bild aufhängen. Den Nagel hat er, nicht aber den Hammer. Der Nachbar hat einen. Also beschließt unser Mann hinüberzugehen und ihn auszuborgen. Doch da kommt ihm ein Zweifel: Was, wenn der Nachbar mir den Hammer nicht leihen will? Gestern schon grüßte er mich nur so flüchtig. Vielleicht war er in Eile. Aber vielleicht war die Eile nur vorgeschützt, und er hat etwas gegen mich. Und was? Ich habe ihm nichts angetan; der bildet sich da etwas ein. Wenn jemand von mir ein Werkzeug borgen wollte, ich gäbe es ihm sofort. Und warum er nicht? Wie kann man einem Mitmenschen einen so einfachen Gefallen abschlagen? Leute wie dieser Kerl vergiften einem das Leben. Und da bildet er sich noch ein, ich sei auf ihn angewiesen. Bloß weil er einen Hammer hat. Jetzt reicht’s wirklich. – Und so stürmt er hinüber, läutet, der Nachbar öffnet, doch bevor er „Guten Tag“ sagen kann, schreit ihn unser Mann an: „Behalten Sie sich Ihren Hammer, Sie Rüpel!“

Paul Watzlawick: Anleitung zum Unglücksein. München 1984. S37f

Ein wunderbares Beispiel wie sich einen Gedankenkonstrukt zu meinem Nachteil wandelt. Hast du so etwas ähnliches schon erlebt?

Wenn wir mit dieser inneren Einstellung anderen begegnen, entstehen natürlich Konflikte und das harmonische Gleichgewicht in Beziehungen geht verloren. Klarerweise ist es sehr reizvoll, recht zu haben. Wir empfinden Genugtuung, da wir doch unglaublich klug sind, unser Selbstwertgefühl steigt kurzfristig an.

Doch geht dabei ein gewisses Maß an Empathie, an Mitgefühl verloren, wenn es mir nicht gelingt, den Blickwinkel meines Gegenübers zumindest zu akzeptieren, zu respektieren. Wir haben ja auch immer wieder diesen Drang, alles verstehen zu müssen. Vielleicht kommt auch aus dieser Ecke die Überzeugung „Meine Wahrheit ist die einzige Wahrheit“ – weil wir die anderen Sichtweisen weder nachvollziehen geschweige denn verstehen können.

Muss ich alles verstehen?

Über eine lange Zeit war mein oberstes Ziel „ich muss alles verstehen und erklären können“. Was soll ich sagen. Ich bin formidabel gescheitert. Es ist unmöglich alles zu erkennen, zu wissen.

Inzwischen weiß ich, dass – wenn ich auf dem Recht-haben-Trip bleibe – auch eine gewisse Isolation in Kauf nehme. Oder magst du Menschen, die immer Recht haben wollen? Wir wenden uns ab, weil wir viel lieber mit fröhlichen Menschen in Verbindung treten und uns mit ihnen wohlfühlen wollen. Dazu braucht es aber auch die Einstellung „ich verzichte auch mal darauf das letzte Wort zu haben“ und „ich muss nicht alles verstehen“.

Wohin haben uns denn diese unerschütterlichen Überzeugungen geführt? Wir brauchen uns nur die kürzesten Ereignisse anschauen – sei es weltweit oder auch in Österreich. Unsere Welt, unsere Beziehungen sind nicht nur schwarz oder weiß, sondern bunt. Ist es nicht wunderbar, dass es so viele Facetten gibt? Wir brauchen doch die anderen Menschen, um zu lernen und zu wachsen. Wenn wir uns unerbittlich an unserer eigenen Meinung festkrallen und keine andere Sicht zulassen, dann haben Fortschritt und Zusammenwachsen keine Chance.

Zu guter Letzt hat diese Einstellung auch Einfluss auf unsere Gesundheit: „Einer Studie der University of Bradford (England, Vereinigtes Königreich) zufolge leide ein Großteil der Menschen, die immer recht haben wollen, an hohen Kortisolspiegeln (Kortisol ist ein Stresshormon), Geschwüren und dysfunktionalen Beziehungen.“ Weiters wird in dem Artikel aufgezeigt, dass diese Menschen „die Harmonie in ihrer Umgebung negativ beeinflussen, wohin auch immer sie gehen.“

Deshalb meine Eingangsfrage noch einmal gestellt:

Muss ich immer recht haben und zu welchem Preis?

Wenn dich dieser Newsletter zum Nachdenken angeregt hat, freue mich auch über das eine oder andere Kommentar auf meiner Homepage.

Wenn du deine Beziehungen, deine Einstellungen und Glaubenssätze einmal anders betrachten möchtest, begleite ich dich gerne.

Alles Liebe

Sophia Bolzano

PS: Hast du schon mein neuestes Video gesehen? Hier zeige ich dir meinen Arbeitsplatz.

Quelle: https://gedankenwelt.de/das-unertraegliche-beduerfnis-immer-recht-zu-haben/

Foto copyright pexels-pixabay

Und täglich grüßt das Murmeltier…

Und täglich grüßt das Murmeltier…

Dieser Film aus dem Jahre 1993 mit Bill Murray und Andie MacDowell ist zwar eine Komödie, doch auch ein wachrüttelnder Film. Mitzuerleben, wie Phil Connor in einer Zeitschleife festsitzt und ein und denselben Tag immer wieder erlebt, könnte manche von uns ans eigene Leben erinnern.

Ausgangspunkt des Films ist der berühmte Murmeltiertag (Groundhog Day) in Punxsutawney, Pennsylvania. Hier wird die seit 1867 bestehende Tradition jedes Jahr am 2. Februar gefeiert. Die Legende sagt, dass wenn das Murmeltier an diesem Tag erwacht und einen Schatten wirft, es weitere sechs Wochen winterlich bleiben soll. Kein Schatten bedeutet, dass der Frühling nah ist.

Zurück zum Film und zu Phil. Nach vielen gleichen Tagen stellt sich große Verzweiflung ein. Und so begeht er auf die unterschiedlichsten Arten Selbstmord. Doch die endlos sich wiederholenden Tage bleiben.

Die Schritte zur Veränderung

Der erste Schritt zur Veränderung: Er vertraut sich Rita an, und einer ihrer Ratschläge hilft ihm, in seinem festgefahrenen Leben Schritt für Schritt andere Ziele zu finden: Phil beginnt, seine Tage sinnvoll zu verbringen und sich zu bilden.

Der zweite entscheidende Schritt: Er entschließt sich authentisch, wahrhaftig zu sein und auch so zu agieren. Denn solange er nur vorgibt, ein guter Mensch zu sein, beispielsweise indem er Rita vorspielt, vernarrt in Kinder zu sein, kommt immer der Punkt, an dem sie ihn durchschaut. Daher scheitern seine Annäherungsversuche immer wieder.

So gelingt es Phil, sich schrittweise in einen besseren, selbstlosen Menschen zu wandeln, indem er die Wiederholung der Zeit nutzt. Er lernt Klavierspielen und das Schnitzen von Eisskulpturen, tatsächlich entwickelt er mehr Mitgefühl für andere (anscheinend hilft hier Übung). Schließlich endet die Zeitschleife, als auch Rita sich in ihn verliebt.

Was war Phils Ausgangs­position, die zur Zeitschleife geführt hat:

  • Er vertraute sich niemanden an.
  • Er war zynisch und ein Menschenfeind.
  • Er hatte keine Freunde.
  • Er war nicht authentisch und spielte z.B. Freundlichkeit vor.
  • Seine Arbeit machte ihm keinen Spaß.
  • Seine Art zu kommunizieren war ausschließlich negativ und die anderen abwertend.

Was hat ihm schließlich aus der Misere geholfen:

  • Er fing an, sich mit anderen Menschen auseinander zu setzen.
  • Er schaffte es tatsächlich freundlich und hilfsbereit zu werden.
  • Er entdeckte neue Seiten an sich und lernte Unbekanntes kennen.
  • Er interessierte sich für die Gedanken und Gefühle anderer.
  • Er konnte selbst Gefühle authentisch (er)leben.
  • Er erkannte, dass reden und sich austauschen hilft.
  • Und er bewies eine ungemein große Geduld, die Freundschaft und Liebe von Rita zu gewinnen.

Übersetzt für unsere Beziehungen heißt das, dass es sehr hilfreich sein kann, wenn du…

  • … über deine Gefühle, Interessen und Bedürfnisse sprichst und dich auch traust sie zu wahrhaftig zu zeigen – ohne Zurückhaltung aber mit großem Vertrauen in dich und dein Gegenüber.
  • … nie aufhörst dich um deine Beziehung zu kümmern und sie gut zu versorgen.
  • … sowohl an Gemeinsamzeit als auch an Ich-Zeit (Zeit ausschließlich für dich) denkst.
  • … gemeinsam oder auch allein neues zu lernen und Unbekanntes entdeckst und ausprobierst.
  • … dir Zeit nimmst, deiner Partnerin, deinem Ehemann gut zu zuhören und für sie/ihn da zu sein.

Wenn du diese Ideen beherzigst, wird deine Beziehung niemals in Endlosschleifen, Langeweile oder Dauerstreits enden, sondern sich liebevoll und sich selbst befruchtend weiterentwickeln können.

Solltet ihr dabei Unterstützung brauchen, oft reicht ein kleiner Perspektivenwechsel, dann meldet euch gerne jederzeit. Ich freue mich immer, wenn das Leuchten in die Augen von Menschen zurückkehrt und ihr Leben wieder Spaß macht.

Alles Liebe

Eure Sophia

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Und_täglich_grüßt_das_Murmeltier

Wenn Mama und Papa Streiten

Wenn Mama und Papa Streiten

Wenn Eltern streiten. Wie Kinder aus den Konflikten von Mama und Papa lernen können.

Das wird jetzt ein bisschen länger. Weil mir dieses Thema ein großes Anliegen ist.

In meiner Familie war laut streiten unerwünscht. Ich kann mich an einen einzigen lauteren Streit erinnern, der mich sehr beeindruckt und auch verstört hat. Meine Schwester und ich sind mit hochroten, aufgeregten Gesichtern in unseren Betten gesessen. Am nächsten Tag wurde auch nichts erklärt. Als wäre nichts gewesen.

Daraus hat sich ergeben, dass ich erst sehr spät, am Ende meiner Ehe gelernt habe, meine Bedürfnisse, Wünsche klar auszudrücken. Und auch dann noch etwas unbeholfen. Ich habe nie gelernt, wie richtig streiten funktioniert.

Daher hat es mich wenig überrascht, als gelesen habe, dass sich heftiges „Befetzen“ seitens der Eltern für die Entwicklung der Kinder sehr ungünstig sein kann. Das zeigen mehrerer weltweite Studien (z.B. Universität Notre Dame in Rochester und Katholische Universität in Washington D.C. – Prof. Dr. Mark Cummings) . Hier die Ergebnisse im Überblick:

  • Das Sicherheitsgefühl und damit die emotionale Stabilität der Kinder seien eng an die Beziehung der Eltern geknüpft.
  • Elterliche Konflikte würden Kindern den Mut und das Selbstvertrauen rauben, sich in der Welt umzuschauen und neue Bindungen einzugehen. So lautete jedenfalls das Fazit zweier Studien, in denen 226 bzw. 232 Familien mit Kindern zwischen Kindergartenalter und Volljährigkeit untersucht wurden.
  • Häufige und heftige Streitigkeiten zwischen Müttern und Vätern haben negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit von Kindern.
  • So scheinen Kinder aus sehr streit-intensiven Familien häufiger Anpassungsschwierigkeiten zu haben – sie verhalten sich aggressiv oder ziehen sich immer mehr zurück.
  • Außerdem zeigten Untersuchungen ein höheres Risiko für spätere Beziehungsprobleme, Arbeitslosigkeit, Depressionen oder Suchtmittelmissbrauch bei Kindern aus hochstrittigen Familien.

Doch Streiten können und lernen ist so wichtig – Kinder können aus dem elterlichen Disput lernen, wie mit Konflikten umgegangen werden kann. Voraussetzung ist, dass die Eltern beim Streiten ein paar Regeln im Kopf haben. Dann können Kinder viel profitieren.

Doch Vorsicht bei Streits vor kleinen Kindern, die zwar die negativen „Vibes“ spüren, aber das Wieso nicht verstehen können. Und das hat ein Unsicherheitsgefühl zur Folge. In weiterer Folge kann daraus auch die Angst entstehen, dass die Beziehung der Eltern zu Ende geht.

Ein richtiger Albtraum entsteht, wenn Kinder als „Briefträger“ zwischen Vater und Mutter missbraucht werden oder glauben, dass sie sich sogar für einen der beiden geliebten Menschen entscheiden müssen. Kompletter Stress entsteht, wenn Mama oder Papa über den jeweils anderen vor dem Kind lästern und schimpfen.

Ungefähr ab dem Volksschulalter verstehen Kinder viel besser, dass Streitereien und Konflikte in der Familie normal sind und auch bei anderen vorkommen. Ganz wichtig ist, WIE die Eltern streiten.

WIE heißt, fair streiten und an einer Lösung interessiert zu sein. Wie könnte das ausschauen:

  • Konflikte dürfen nie unterhalb der Gürtellinie ausgetragen werden. Wenn sich Eltern persönlich beleidigen und abwerten, hat dies nachweislich einen erheblich negativen Einfluss auf das Wohlbefinden des Kindes und sind tabu, egal in welchem Alter.
  • Die Elternteile sollten gemeinsam und aktiv an einer Lösung des Konflikts arbeiten und ihn nicht ungelöst auslaufen lassen. Streitgespräche sollten grundsätzlich in ruhigem Tonfall geführt werden. Es darf auch mal laut werden – schließlich sind Emotionen im Spiel – solange die Diskussion aber fair bleibt.
  • Kinder sollten das Ende des Streits erfahren – entweder, weil sie bei der Konfliktlösung anwesend sind oder indem man ihnen im Anschluss erklärt, worauf man sich geeinigt hat. Denn: Ein gut gelöster Streit hinterlässt ein ebenso entspanntes Kind, als hätte es gar keinen Streit gegeben, so ein Ergebnis der Studie von Prof. Mark Cummings.
  • Für Themen, über die immer wieder gestritten wird, sollte dringend eine langfristige Lösung oder ein Kompromiss gefunden werden. Notfalls sollte die Hilfe einer Familienberatung, einer Mediation oder eines Beziehungs-Coachings in Anspruch genommen werden.
  • Außerdem gilt: Kinder sind aus reinen Beziehungsstreitereien zwischen Vater und Mutter herauszuhalten! Eltern sollten ihre Wut nicht beim Kind abladen und schlecht über den anderen Elternteil reden. Das ist ein absolutes No-Go, denn erstens tragen Lästereien und Beschimpfungen nichts zur Konfliktlösung bei. Und zweitens hinterlassen solche abwertenden Kommentare über den jeweils anderen Elternteil tiefe Spuren in der Seele des Kindes – schließlich liebt es beide.

Wenn so gestritten wird, können Kinder aus den Konflikten der Eltern lernen. Wie Lösungen gefunden werden oder Kompromisse eingegangen werden können. Eigene Standpunkte dürfen sein, ohne mein Gegenüber abzuwerten.

So vorgelebt, lernt das Kind, das Konflikte und Streits nicht das Ende der Welt sind, sondern eine großartige Möglichkeit sein können, sich weiterzuentwickeln und auch näher zu kommen.

Deshalb mag ich Konflikte – sie sind so gut wie immer Beziehungsangebote und in eine positive Richtung gelenkt wunderbar hilfreich. Beziehungen können stabiler und liebevoller werden.

Gerne unterstütze ich auf diesem Weg, damit das vielleicht noch Unvorstellbare möglich wird – auch in deiner, eurer Beziehung.

Alles Liebe

Sophia

Eine Mini-Kommunikations-Aufgabe für Zuhause  – Die Zeigefingerübung

Ihr steht euch auf Armlänge gegenüber. Berührt euch nur mit den Fingerkuppen des rechten Zeigefingers. Reagiert ohne Worte auf die spontanen Bewegungen des Partners und geht mit, ohne den Kontakt an den Fingerkuppen zu verlieren. Ziel ist es sich auf den anderen einzulassen und zu schauen, was passiert. Könntet ihr auch mit euren/eurem Kind/ern machen, oder die Kinder miteinander.

Quellen: familie.de von Carolin Severin am 26.12.2017 und spiegel.de von Frank Patalong 01.12.2018