Interview mit Mag. Sybille-Maria Lindeis, Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Familienrecht

Interview mit Mag. Sybille-Maria Lindeis, Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Familienrecht

Getroffen haben wir uns in ihren neuen Kanzleiräumlichkeiten in 1090, Wien, Liechtensteinstraße. Sybille-Maria ist seit 2008 Anwältin. Spannenderweise wollte sie nie Familienrecht machen. Doch es liegt ihr. Deshalb macht sie seit 3 bis 4 Jahren nahezu ausschließlich Familienrecht. Der Bedarf ist da – mehr denn je. Die Mandantenbetreuung ist allerdings in diesem Bereich intensiver als anderswo. Oft kommen Krisen dazwischen, dann muss sie „akut“ für ihre Klienten da sein, manchmal auch am Wochenende. Vor allem wenn die Emotionen hochkochen. Kleinigkeiten lösen oft große Verzweiflung aus. Das Hauptproblem ist sicherlich, dass viele Ehepaare bis zur Scheidung noch zusammenwohnen. Finanziell ist das oftmals nicht anders möglich. Und gerade in dieser hochsensiblen Phase kommt es zu den meisten Konfrontationen, Verletzungen und Kränkungen. Die Nerven liegen blank. Gesprochen haben wir über ihre Zugangsweisen und Lösungen zu Konflikten und Trennungen.

Was sind die häufigsten Gründe für eine Trennung?

Der wirklich häufigste Grund ist ein Auseinanderleben der Partner. Natürlich gibt es auch die klassischen Trennungsgründe wie z.B. Fremdgehen –wenn man jedoch genauer nachfragt, kommt als Antwort sehr oft, dass sie nur mehr wenig miteinander anfangen können und nichts Verbindendes mehr sehen. Sie haben Kinder bekommen, Haus gebaut, finanzieller Druck ist da, das wechselseitige Verständnis oder die Unterstützung fehlt. Sie können nicht mehr miteinander reden. Und dann kommt es vielleicht auch zum Fremdgehen. Doch das ist ja nur ein Symptom.

Geben die Paare zu früh auf?

Häufig. Wenn ich merke, dass ein Klient, eine Klientin noch nicht ganz davon überzeugt ist, dass die Trennung die einzige Lösung ist, dann empfehle ich eine entsprechende andere Beratung, wie z.B. Paarberatung, um sich ihre Beziehung noch einmal genau anzuschauen. Solange sich die Klienten da nicht sicher sind, bringt ein Einstieg in ein Scheidungsverfahren nichts. Ich kläre die Menschen über alles auf, was mit einer Scheidung zusammenhängt.

Bespreche, was wäre, wenn der eine oder andere Umstand eintritt oder mit welchen Konsequenzen persönlich aber auch finanziell zu rechnen ist Wenn ich Unsicherheit merke, dann spreche ich das auch an: „Ich habe den Eindruck, Sie haben noch nicht ganz abgeschlossen – vielleicht wäre eine Beratung hilfreich.“

Gerade wenn Kinder da sind, sollten sie auf keinen Fall zu früh aufgeben, weil es hier leicht später zu Vorwürfen gegenüber dem Anderen oder auch sich selbst kommen kann, in der Art: „Hätten wir doch noch gekämpft, es wäre für uns alle leichter gewesen.“ In letzter Zeit kommen aber vermehrt Eheleute, die schon alles versucht haben, und sich eingestehen mussten, dass es trotz Paarberatung, Mediation, o.ä. nicht weiter funktioniert. Diese Klienten sind in der Regel mehr an einer einvernehmlichen Lösung interessiert als andere.

Paarberatung und auch Mediation war vor 10, 15 Jahren eher unbekannt, jetzt ist dieser Weg gesellschaftsfähiger. Wenn die Emotionalität noch sehr hoch ist, rate ich stark dazu, diese Möglichkeit im Vorfeld einer Trennung zu nutzen.

Woran scheitert es am häufigsten?

An einer guten und respektvollen Kommunikation. Wenn der Konflikt einmal eskaliert ist, hören wir dem anderen ja gar nicht mehr zu. Aus der viel zitierten Mücke wird ein Elefant – Diskussionen, die alles noch verschlechtern. Leider streiten Paare auch sehr oft vor ihren Kindern oder wegen Angelegenheiten im Zusammenhang mit den Kindern. Kontaktzeiten, Erledigungen, Finanzielles, können für manche in einer riesigen Herausforderung enden und zum Zankapfel werden. Unverständnis und Gehässigkeiten tun das ihre dazu, dass das Verhältnis zwischen den Ex-Partnern noch schlechter wird. Darunter leiden dann vor allem die Kinder.

Welchen Tipp könntest du ihnen geben, damit – falls sie sich trennen – die Trennung ohne gröbere Verletzungen, Kränkungen ablaufen kann?

Wenn Kinder betroffen sind, schicke ich die Eltern zuerst einmal zu einschlägigen Organisationen, wie z.B. Rainbows, die ausschließlich das Kindeswohl im Fokus haben. Dort lernen Eltern, was diese extreme Situation für die Kinder bedeutet. Das bewirkt oftmals bei den größten Streithähnen ein Umdenken. Denn egal wie sie sich als Paar miteinander benehmen, sie werden immer Eltern bleiben. Die Elternebene sollte zumindest neutral bzw. befriedet sein. Wenn ich keine Kinder habe, geht es vor allem um Finanzielles, das Vermögen, um sonst nichts.

Wie vorher schon gesagt, es liegt ja oft an der Kommunikation. Wenn ich erkenne, dass das Paar dauernd aneinander vorbeispricht, rate ich zu einer Mediation und Konfliktklärung. Oder auch zu einer Paarberatung.

Was war deine schrägste Paar-/Trennungssituation?

Ein ewiger Streit zwischen Eheleuten mit wechselseitigen Klagen, dann gab es endlich eine einvernehmliche Lösung mit Beschluss. Doch bevor der Beschluss rechtskräftig wurde, haben die beiden sich versöhnt und wieder zueinander gefunden und haben beschlossen, doch zusammen zu bleiben. Der Beschluss war dann hinfällig. Soweit ich weiß, sind sie immer noch zusammen. Das war zwar sehr anstrengend für alle Beteiligten, aber am Ende war es so sehr gut.

Sybille-Maria hat viele Erfahrung mit Paaren, Eheleuten und belastenden Familiensituationen – wir hätten noch ewig weiterreden können. Vielleicht wird daraus zu einem späteren Zeitpunkt ein weiteres Interview. Wir werden sehen.

Mich hat es in meinem Zugang bestärkt, den Fokus auf das Verbindende, das Funktionierende auch bei Trennungen zu legen. Die gemeinsame Geschichte bleibt ja bestehen und es macht einen großen Unterschied für die persönliche Zukunft, ob ich im Zorn und gekränkt oder friedlich und wohlwollend zurückblicken kann.

Lösungen für Konflikt­situationen in Beziehungen

Lösungen für Konflikt­situationen in Beziehungen

Wer kennt das nicht: der Partner, der immer nur nach Prinzipien handelt, die Freundin, die stets alles besser weiß und sich schwer tut, gut zuzuhören. Dazu kommt, dass uns der Alltag oft ziemlich im Griff hat, dass unsere Aufmerksamkeit nur für ein paar Dinge ausreicht. Oft übersehen und überhören wir die wichtigen Sachen und kleine Misstöne schleichen sich ein.

Um mit schwierigen Situationen in Beziehungen umgehen zu können, braucht es vor allem eines: Konfliktfähigkeit. Aus meiner Erfahrung tun wir Menschen aber gerade damit oft sehr schwer. Hier ein paar Tipps, wies es leichter gehen kann.

So schaffst du es, gut mit Konflikten umzugehen

  1. Du solltest dir darüber klarwerden, was das Problem ist bzw. was verändert werden sollte. Formuliere deine eigenen Wünsche realistisch und konkret.
  2. Grundsätzlich ist es wichtig, möglichst früh das Gespräch zu suchen und dieses so gut es geht höflich, wertschätzend und respektvoll dem anderen gegenüber zu führen. Lege den Fokus auf den Wunsch nach Veränderung.
  3. Der richtige Zeitpunkt braucht manchmal Zeit. Versuche einen Termin zu vereinbaren, wo du und deine Partnerin, dein Mann Ruhe und eben Zeit haben.
  4. Höre dir die Vorschläge, Lösungsvarianten deines Gegenübers an und schreib sie auf. Vielleicht es ja etwas Passendes dabei, um die Situation zu klären.
  5. Wertschätzung und Respekt sind sicherlich die Schlüssel, um Lösungen für Konflikte zu finden. Und Empathie für die „Erlebniswelten“ des anderen hilft sicherlich auch.
  6. Wenn jeder auf seinem Recht beharrt, wird keine Veränderung möglich sein. Die Fronten werden zu unüberwindbaren Hindernissen. Versuche flexibel zu sein.
  7. Einen gemeinsamen Weg finden. Suche Vorgehensweisen, mit denen ihre beide leben könnt.
  8. Versuche die Vergangenheit ruhen und Vorwürfe außen vor zu lassen. Wenn du es schaffst, dies wegzulassen, wird euer Umgang viel leichter.
  9. Gibt es Ergebnisse, dann halte diese schriftlich fest. Diese Vereinbarungen gelten dann als verbindlich für euch beide. Schriftlich? Ja warum nicht. So manches Gesagte, Ausgemachte geht sonst wieder verloren. Schreibt es auf und holt es euch immer wieder in Erinnerung.
  10. Wenn eine Aussprache stattgefunden hat, lasse alte Konflikte ruhen, dann kann sich die Situation beruhigen.

Solltest du auf diesen schwierigen Konfliktpfaden Unterstützung brauchen, melde dich sehr gerne bei mir. Oft ist es hilfreich einen neutralen Blick von außen dazu zu holen, um noch mehr Klarheit zu bekommen.

Mein Angebot findest du hier.

Alles Liebe

Quelle: Salzburger Nachrichten, 05.05.18

Eros und Sexualität – Verbundenheit, Zärtlichkeit, körperliche Nähe

Eros und Sexualität –
Verbundenheit, Zärtlichkeit, körperliche Nähe

Der X Faktor in langjährigen Beziehungen

 

„Eros ist ein feiner Kerl.
Ohne ihn kannst du jede Partnerschaft vergessen“

– das sagt Christoph Quarch, Philosoph und das meint auch Sokrates (469-399 v. Chr.)

Sei wir mal ehrlich: Ohne körperliche Nähe wird es für viele Paare eng. Vor allem, wenn Sex zu Beginn der Beziehung die Hauptsäule war. Ohne wahre Verbundenheit zum Partner wird auch die körperliche Begierde abnehmen.

Die Paare, die ich begleitet habe, haben mich mehrfach darauf hingewiesen, dass zwischen reinem Sex und Zärtlichkeit bzw. körperlicher Nähe (im Alltag) zu unterscheiden ist. Wenn das eine vorhanden ist, muss das andere nicht unbedingt auch da sein und gelebt werden.

Wie die Lust auf Sex auch in langjährigen Beziehungen erhalten bleibt, damit haben sich die Sexual- und Beziehungsforscherin Kirsten P. Mark und ihre Kollegin Julie A. Lasslo von der Eastern Kentucky University beschäftigt und die Ergebnisse von 64 weltweiten Untersuchungen zum Thema „Sex in langjährigen Beziehungen“ der letzten zwei Jahrzehnte zusammengefasst und analysiert.

Wie viel Sex braucht eine glückliche und gesunde Beziehung?

Am Anfang, in der „Frisch-Verliebt-Phase“, kann man die Hände kaum voneinander lassen. Doch langsam aber sicher fordert der Alltag seinen Tribut: immer weniger Sex und Streicheleinheiten, dafür mehr Rederei über die Arbeit, den unerledigten Abwasch oder herumliegende Socken oder „Schatz bringst du den Müll raus“.

Viele Paare, die schon über einen längeren Zeitraum in einer festen Beziehung leben, vielleicht sogar noch Kinder haben, können ein Lied von der Problematik singen. Die Forschung ist daher seit Jahren an dem Thema interessiert und versucht herauszufinden, wie man das Schwinden der Leidenschaft aufhalten und da entgegenwirken kann.

Eine der häufigsten Folgen langjähriger Beziehungen ist beispielsweise, dass man dem Partner gegenüber unaufmerksam wird, weniger bis gar nicht mehr richtig zuhört, seinen Alltagsstress an ihm auslässt oder ihn als völlig selbstverständlich erachtet.

Ein großer Unterschied zwischen Frauen und Männern ist, dass Frauen spüren müssen, dass sie emotional mit dem Partner verbunden sind, um sexuell aktiv bzw. freizügiger zu sein. Männer wollen sich sexuell verbunden fühlen, um dann die emotionale Bindung einzugehen. Diese stellte Kirsten P. Mark, Sexual- und Beziehungsforscherin, Eastern Kentucky University, bei ihren Untersuchungen fest.

Hinzu kommt außerdem, dass Frauen eher und öfter als Männer mit ihrem Körper hadern. Und auch das hat Folgen für ihre Begierde. Hinzu kommt, dass Frauen auch aus biologischer Sicht – beispielsweise in ihren Wechseljahren – eher unter Libidoverlust leiden.

Aber wie kann Lust man aufrecht erhalten?

Die Partnerschaftsexpertinnen konnten darüber hinaus auch herausfinden, in welchen Situationen die Lust am ehesten aufrechterhalten bleibt. Das sind Beziehungen, die gleichberechtigt sind und auf Augenhöhe geführt werden. Dabei ist Autonomie ein entscheidender Faktor. Denn nicht nur durch Nähe lässt sich das sexuelle Verlangen aufrechterhalten, sondern auch durch Distanz. Übersetzt heißt das: Je länger die jeweiligen Partner in einer Beziehung unabhängig und selbstständig sind, desto länger lodert die Leidenschaft.

Das Pareto-Prinzip für Beziehungen – auch bekannt als 80/20-Regel, ein ursprünglich ökonomisches Prinzip, besagt es für zwischenmenschliche Beziehungen vereinfacht ausgedrückt, dass man 80 Prozent seiner Energie in die Partnerschaft stecken solle und die anderen 20 Prozent der Zeit Dinge tut, die man nur für sich selbst macht. Egal, ob eigene Hobbys, Freunde oder auch mal eine Reise. Das ist gerade für diejenigen interessant, die manchmal ein Problem damit haben, sich Zeit für sich und die eigenen Bedürfnisse zu nehmen.

Für eine gut funktionierende Beziehung erscheint es elementar, auch mal aus der eigenen Komfortzone herauszukommen, Neues zu probieren, sich mal wieder gemeinsam zu verabreden, ein Date zu haben – sich bewusst Zeit zu zweit zu nehmen.

Klar ist: Jede Beziehung erfordert Arbeit. Und die ist oft eine Mischung aus sozialen, zwischenmenschlichen und natürlich individuellen Faktoren. Das Erkennen eines möglichen Mangels an Sex oder Zärtlichkeit zeigt kein Problem einer Beziehung auf, sondern entlastet sie, so die Forscherinnen. Indem man akzeptiert, nicht immer nur glücklich und zufrieden sein zu können, könne man den Wunsch besser aufrechterhalten, aktiv etwas dagegen zu tun.

Zum Schluss noch einmal ein Satz von Christoph Quarch, der es auf den Punkt bringt: „Deine Partnerschaft wird gelingen, wenn du offen bleibst: Wenn du nicht dauernd Ansprüche erhebst, sondern dich ansprechen lässt. Dann bleibt ihr in Verbindung. Auch im Streit. Und das ist gut, denn auch das ist eine Weise, das Feuer des Eros lebendig zu halten. Doch wenn du gleichgültig und kalt wirst, dann tötest du den Eros in dir. Und mit ihm deine Seele.“

Alles Liebe und viel Eros, Leidenschaft und Neugier für eure Beziehungen!


Sophia

Quellen:
Die Welt online – Wie die Lust auf Sex auch in langjährigen Beziehungen erhalten bleibt von Julia Haase 06.04.2018
The Red Bulletin, Ausgabe August 2020, Seite 18.

Warum verzeihen so schwer fällt und 7 Tipps, damit es doch gelingt

Warum verzeihen so schwer fällt
und 7 Tipps, damit es doch gelingt

Verzeihen können ist wichtig und gesundheitsförderlich

Inspiriert durch einen Artikel von Dr. Doris Wolf, Psychotherapeutin (partnerschaft-beziehung.de) möchte ich heute gerne über das Verzeihen schreiben.

Warum fällt uns verzeihen so schwer, obwohl wir wüssten, dass wir dadurch Ballast abwerfen und leichter durchs Leben gehen könnten?

Wir alle haben in unserem Innersten Listen von offenen, alten Rechnungen – Kränkungen, Verletzungen aus Kindheit und Beziehungen. Dort stehen Handlungen, Aktionen, die wir uns und anderen kaum vergeben können.

Wenn wir hin und wieder auf diese Listen schauen, ist das wahrscheinlich kein großes Problem, doch wenn wir täglich in diese alte Welt eintauchen, quälen wir uns laufend damit und tun uns selbst gar nichts Gutes. Entwicklung ist unmöglich.

Nicht zu verzeihen macht krank

Natürlich hat meist der andere Schuld, denn er oder sie haben ja diese schrecklichen Dinge getan. Wir sind endlos nachtragend. Doch das gefällt unserem Körper gar nicht: Schlafstörungen, Magenschmerzen, Erschöpfung, Daueranspannung führen dazu, dass sich unser Körper in einer ständigen Stresssituation befindet. Das führt in weiterer Folge zu gesundheitlichen Schäden.

Wir tragen Wut, Kränkung, Enttäuschung, Rachegedanken, Hass in uns. Wir wollen es vielleicht dem anderen heimzahlen. All diese Negativität tragen wir in uns. Wir verbittern zunehmend, ziehen uns von anderen Menschen zurück. Doch im Grunde bestrafen wir nur uns selbst, weil der andere ja von alldem überhaupt nichts mitbekommt.

Verzeihen, vergeben, heißt nicht, das Vorgefallene gutzuheißen, sondern es in die Vergangenheit zu verabschieden und neu zu starten. Frei von alldem. Doch wie kann das gelingen?

7 Tipps, damit verzeihen leichter wird

Hier die Tipps, die ich bei Dr. Wolf gefunden habe, leicht abgeändert:

Tipp 1:

Hol dir das Ereignis, das du bisher nicht verzeihen konntest, in Erinnerung. Stell dir die Frage: „Was habe ich dazu beigetragen, dass es überhaupt geschehen ist?“

Tipp 2:

Auch wenn es schwer ist, versetze dich in die Perspektive des anderen. Wieso hat er sich so verhalten? Was ihn/sie dazu veranlasst?“

Tipp 3:

Erinnere dich daran, Verzeihen hat absolut nichts mit Schwäche zu tun. Vergeben und Verzeihen sind Zeichen von großer Stärke. Du tust es für dich und dein Wohlbefinden.

Tipp 4:

Stell dich vor einen Spiegel und sage: „Mir hat es gar nicht gefallen, dass er/sie sich mir gegenüber so verhalten hat. Doch ich akzeptiere es.“

Tipp 5:

Aus der heutigen Warte: Wie viele gute Erlebnisse hast du mit diesem Menschen gehabt? Sind diese für dich unbedeutend geworden?

Tipp 6:

Wenn es möglich ist, sprich mit diesem Menschen darüber. Was dich gekränkt hat, welche Gefühle es bei dir ausgelöst hat. Wenn dies nicht möglich ist, schreib deine Gefühle auf, schreibe einen Brief – ob du ihn abschickst oder nicht, liegt bei dir. Wichtig ist, dass diese Kränkungen einmal „draußen“ sind.

Tipp 7:

Schau dir ein Bild des Menschen an und sage zu diesem: „Ich bin jetzt bereit, dir zu verzeihen“. Ich habe diese Übung gemacht – am Anfang habe ich mich fast – entschuldige meine Wortwahl – angekotzt. Ich konnte und wollte noch nicht verzeihen. Beim nächsten Versuch ist es mir besser gelungen, und irgendwann konnte ich tatsächlich meinen inneren Widerstand aufgeben und es ehrlich aussprechen.

Auch hier heißt es, üben, üben, üben. Wenn du dich wirklich von diesen alten Geschichten lösen willst, wiederhole die Tipps, die für dich gut passen, immer wieder. Nach einer Weile wird es in dir ruhig werden und du kannst die Vergangenheit verabschieden. Was hilft es dir, recht zu behalten, wenn dein Körper, dein Geist und deine Seele leiden?

Ich wünsche dir alles Gute fürs Üben und eine fröhliche Zeit
Alles Liebe

PS: Ich stelle gerade einen Workshop zu Verzeihen und Vergeben in Beziehungen zusammen. Sobald er online geht, informiere ich dich.

Die vier apokalyptischen Reiter in Beziehungen

Die vier apokalyptischen Reiter in Beziehungen

Schweigen, Verachtung, Verteidigung und Kritik in Beziehungen sind hochdosierte Gifte

Seit vielen Jahren beschäftigen mich Beziehungen – vor allem zwischen Mann und Frau. Was mir immer wieder aufgefallen ist, dass Frauen gerne über Dinge, die sie beschäftigen, reden möchten. Bei Männern habe ich unterschiedliche Eindrücke gewonnen. Manche ziehen sich zurück und machen „es“ mit sich selbst aus, manche lassen sich auf Gespräche und Diskussionen ein. Doch viele Frauen beklagen, dass Männer sich gerne aus schwierigen Situationen „herausziehen“ und ausweichen.

Ist es tatsächlich so, dass Männer bei Konflikten eher schweigen? Oder reden Mann und Frau aneinander vorbei?

Bei meinen Recherchen und in Gesprächen mit Männern habe ich erfahren, dass sich Männer gerne zurückziehen, sie gehen auf den Berg oder fahren mit dem Rad, und machen die Dinge mit sich selbst aus. Sie reden weder davor und noch danach mit ihrer Partnerin. Vorweg – natürlich gibt es Ausnahmen – doch auf meine Frage, wie Männer ihre Probleme in der Beziehung angehen, kamen diese Antworten:

Was machst du, wenn du in der Beziehung, deiner Ehe Probleme hast? Redest du mit jemanden? Antwort: Ich gehe auf den Berg bis ich völlig verschwitzt bin, da finde ich schon eine Lösung. Ich rede maximal mit meinem besten Freund, aber eher nicht über private Sachen. Auf meine Frage, ob sie nach dem Bergabenteuer mit ihrer Partnerin reden, kam in fast allen Fällen, nein, das wird sich schon wieder beruhigen.

Das, was ich in all dieser Zeit stark beobachte, ist, dass die meisten Frauen verstehen möchten und ganz viel fragen und reden. Das ist dann dem Großteil der Männer zu viel, sie ziehen sich zurück und schweigen. Das macht dann die Frauen ganz „narrisch“, sie reden noch mehr und werden lauter. Das ist für Männer sehr anstrengend – sie werden aggressiv, untergriffig und verletzend und verlassen den Raum. Und dann eskaliert die Situation.
Mit Schweigen können die wenigsten Menschen umgehen. Sie können schon mit einem Nein, bitte jetzt gerade nicht, aber gerne später umgehen. Aber nicht mit Hinhalten und Mauern. Das ist auch irgendwie keine Entscheidung treffen können. Oder?

Als ich kürzlich einem Bekannten von meinen Beobachtungen erzählt habe, meinte er, dass das ein typisches Männerproblem sei. Nicht darüber reden und wenn doch, wird es dann eher unschön. Sich nicht zurückzuziehen und zu glauben mit Schweigen wird es besser oder das vorhandene Problem wird kleiner oder damit gelöst. Er sagte: „Das ist definitiv dann ein sich vor einer Entscheidung drücken.“

Doch ist es wirklich ein reines Männerproblem?

Die vier apokalpytischen Reiter für jede Beziehung

John Gottmann, amerikanischer Therapeut, hat eine These entwickelt, die besagt, wenn die so genannten vier „apokalyptischen“ Reiter auftauchen, werde es sehr schwierig eine Beziehung aufrecht zu erhalten. Diese vier Reiter, die symbolisch Kommunikation und Beziehungen vergiften können, sind hier kurz erklärt.

Der erste Reiter: Vorwürfe / (destruktive) Kritik

Der erste, kriegerische Reiter steht als Symbol für (verallgemeinernde, auf die Person gerichtete, destruktive) Kritik: Vorwürfe, Schuldzuweisungen und Anklagen lassen Konflikte entstehen bzw. eskalieren – aggressive Kommunikation macht sich breit. Die Kritik ist meist verbunden mit Du-Botschaften.

Kann man ihn zähmen bzw. transformieren in einen friedvollen Krieger, so hat das positiven Einfluss auf den Rest. Er hat gelernt zu kämpfen, macht das aber defensiv, um Angriffe abwehren und sich abgrenzen zu können (Grenzen verteidigen). Im Kommunikations-Alltag hat er gelernt, statt Kritik annehmbares, aggressions-freies Feedback zu geben.

Der zweite Reiter: Verachtung

Dieser Reiter steht als Symbol für Verachtung, Abwertung und Geringschätzung des Partners – vergiftete, verpestete Kommunikation ist das Resultat. Verachtung wirkt am stärksten negativ und verletzt viele Grundprinzipien gelingender Kommunikation und gelingender Beziehungen. Verachtung lässt den anderen sein Gesicht verlieren. Mit seinem Verhalten tötet er die Beziehungen. Verachtung ist vermutlich das stärkste Gift für Beziehungen und entspricht einem sehr negativen Menschenbild.

Der Gegenpol ist das positive Menschenbild des Namaste im indischen Gruß: „Ich grüße das Göttliche in Dir“, auch wenn ich vielleicht viele Schwierigkeiten mit deinen Verhaltensweisen habe.

Der dritte Reiter: Abwehr / Verteidigung

Dieser Reiter steht als Symbol für (Verteidigung mit) Rechtfertigung, Abwehr, defensive Kommunikation („Ja, aber du hast das und das damals….“) und Verleugnung der eigenen Anteile – Not-leidende Kommunikation (Opfer-Haltung) steht im Vordergrund. Diese Handlungen sind häufig Reaktion auf Angriffe wie Kritik / Vorwürfe und Abwertungen und erhalten Konflikte aufrecht.

Besser wäre es, die zugrunde liegenden Interessen, Bedürfnisse und Emotionen zu erforschen
und dazu passende win-win-Lösungen zu entwickeln.

Der vierte Reiter: Mauern

Dieser Reiter steht als Symbol für Rückzug / Mauern, Flucht, Schotten dicht machen, die Kommunikation ist tot. Man will sich nicht in den Konflikt einlassen und entzieht sich der Auseinandersetzung entweder äußerlich (den Raum verlassen) oder innerlich (Schweigen, Desinteresse, langes Beleidigt-Sein – als Strafe). In der Konflikt-Psychologie wird das meist als „Flucht-Verhalten“ bezeichnet. Durch dieses Verhalten wird ein Austausch und auch eine Lösung verhindert. Wenn also jemand in einer Diskussion still wird, sich verschließt, sich der Auseinandersetzung entzieht, weil er vielleicht keine Argumente mehr weiß oder emotional überflutet wird, so baut er symbolisch / metaphorisch eine Mauer zwischen sich und dem Anderen. Das wirkt negativ. Wenn dein Gegenüber sich in einer Auseinandersetzung desinteressiert zeigt, so tut, als wäre er/sie sehr beschäftigt oder als wärst du gar nicht da, dann kann leicht Ärger oder Frustration entstehen. Das schafft soziale Mauern.

Welches dieser Phänomene kennt ihr selbst? Welcher Reiter ist eher im Repertoire von Frauen, welcher eher bei Männern?

Die ersten drei Reiter können durch Begleitung, Unterstützung und klärende Gespräche in positive Zugänge umgewandelt werden. Wenn sich jedoch der vierte Reiter des Mauerns und Schweigens etabliert hat, wird es sehr schwierig, die Beziehung noch zu retten.

Nachdem ich vor allem Lösungen im Fokus habe, stelle ich auch Fragen wie diese: „Was müsste geschehen, damit das Schweigen ein Ende hat?“ „Was ist der Vorteil daran, dass deine Frau, dein Mann sich zurückzieht?“ „Was ist das Gute am Beleidigt sein?“ „Was hält euch davon ab, euch zu trennen?“ Ja, warum nicht auch diese Frage stellen? Wenn ich merke, dass Paare in krankmachenden Beziehungen feststecken – sich nicht mehr gegenseitig fördern und unterstützen, wie das in gesundheitsfördernden Ehen und Partnerschaften der Fall ist, dann ist es doch sinnvoller den „Schrecken“ zu beenden.

Natürlich ist es aus meiner Sicht klug, sich in einem solchen Prozess begleiten zu lassen, damit keine weiteren Kränkungen und unnötige Verletzungen in dieser Phase entstehen können. Damit das Ende gut geklärt und für beide Seiten erkenntnisreich sein kann. Jeder nimmt sich ja in diese nächste Beziehung mit und ähnliche Verhaltensweisen können dann wiederauftauchen. Damit dies nicht geschieht, braucht es Klarheit, Verständnis für die eigenen Anteile und die des anderen am Scheitern der Beziehung.

„Auch eine Ent-täuschung, wenn sie nur gründlich und endgültig ist, bedeutet einen Schritt vorwärts“

– dieser Spruch von Max Planck, deutscher Physiker, trifft es auf den Punkt. In jedem Konflikt, in jedem Scheitern stecken unglaubliche Chancen der Weiterentwicklung. Oft ist das Erkennen dieser das Schwierige.

Wenn du gerade in solchen oder ähnliche Situationen „festpickst, unterstütze ich dich gerne. Wir klären, wo es hängt, schauen, wo es wie hingehen kann.

Alles Liebe
Sophia