Sophia Bolzano
Mutmacherin

Sophia Bolzano – Mutmacherin

Immer schreist du mich an! Nie verstehst du mich!

von | Beziehung, Konflikte, Partnerschaft

Immer wieder stelle ich mir die Frage, ob meine „Sprache“, meine Ausdrücke verstanden werden. Hängt das vielleicht auch mit meiner Stimme zusammen? Anlässlich des „World Voice Day“ am 16. April vielleicht eine gute Möglichkeit, mir darüber Gedanken zu machen.

Voice heißt ja Stimme und nicht Sprache. Fängt also alles mit meiner Stimme an? Bin ich zu laut, zu leise, zu sanft, zu wenig erkennbar? Bekommt mein Gegenüber mit, wie es mir geht, was ich brauche – rein aus meiner „Stimmlage“?

Warum wir laut werden

Ich meine jein. Wenn wir streiten, werden wir lauter, energischer, unsere Stimme kann sich auch überschlagen. Aus meiner Erfahrung vermeiden die meisten Menschen Konflikte, gehen ihnen aus dem Weg. Doch nur weil wir einen Bogen darum machen, gehen diese nicht einfach weg oder lösen sich in Luft auf. Sie bleiben. Und irgendwann in einer ungünstigen Situation platzen sie auf – und wir werden laut, um uns

  • verständlicher zu machen
  • abzulenken
  • gehört zu werden
  • den/die Andere/n auf Abstand zu halten
  • zu schützen.

In einem Streit sind wir auch körperlich extrem angespannt. Und diese Anspannung kann sich auch auf die Stimme legen, sie wird sogar manchmal richtig schrill. Frauen hören dann oft den Satz „sei nicht so hysterisch“, Männer „wenn du so laut wirst, machst du mir Angst“ oder ähnliches.

Nachdem ich ja immer auf der Suche nach Lösungen für so unangenehme Situationen bin, hilft vielleicht dies weiter: Versuche deine Wahrnehmung zu schärfen und stoppe die Gefahr, dich zu oft ungewollten Äußerungen hinreißen zu lassen.

Wie kann das funktionieren? Hier meine 5 Tipps:

  1. wenn du merkst, dass sich ein Streit, eine heftige Diskussion anbahnt, atme dreimal kräftig durch – so verschaffst du dir Zeit, um wieder ruhiger zu werden.
  2. Wo in deinem Körper fühlt es sich gerade sehr eng, besonders angespannt an? Vielleicht im Bauch? Leg mal deine Hand dorthin. Durch diese Berührung verschaffst du dir selbst Ruhe, die große Anspannung kann sich abmildern.
  3. Wenn du es schaffst, die erste große Welle an Wut und Ärger auszulassen, kannst du versuchen zu sehen, was denn tatsächlich dahintersteckt. Welche deiner Bedürfnisse sind unbefriedigt, welche Wünsche an deine/n Partner/in sind unerfüllt? Wovor hast du vielleicht Angst?
  4. Stell dir selbst die Frage: Was könnte ein erster kleiner Mini-Schritt in Richtung Lösung des Konflikts sein?
  5. Versuche deine Tonlage „runter“ zu kriegen, indem du das eine oder andere „Mmmh“ einstreust. So wird deine Stimme wieder tiefer. Dieses „Mmmh“ oder „Aha“ – wenn dir das lieber ist – bedeutet, dass du deinem Gegenüber wieder zuhörst, ohne gleich in die Luft zu gehen. Du fängst an, ihn oder sie verstehen zu wollen.

So kannst du wieder handlungsfähiger werden. In Rage sagen, machen wir Sachen, die wir oft kurz danach bereuen, die irreparabel sind. Wenn du es schaffst, deine Stimme wieder auf „normal“ zu haben und ruhig zu sprechen, wird dir sicherlich mehr zugehört als im Schreiduell.

Ich vermute, dass Schreien, Drohen, Türen schlagen & Co oft große Ängste überdecken sollen. Die Angst vor dem Verlassen werden ist wohl in Beziehungen die häufigste. Nachdem dies eine Ur-Angst von uns Menschen ist, müssen wir wohl in einer ersten Reaktion wild um uns schlagen. Doch hilfreich ist das sicherlich nicht. Dann ist es eher an der Zeit, sich seinen Ängsten, Sorgen zu stellen. Woher kommen sie? Machen sie in meinem Erwachsenenleben noch Sinn? Sind es möglicherweise Ängste, die ich als Kind oder Jugendlicher hatte und die ich immer noch mit an Bord habe? Vielleicht hat mein Verhalten gar nichts mit meinem Partner, meiner Ehefrau, meiner Kollegin zu tun, sondern nur mit mir?

Auf jeden Fall lohnt es sich sehr, genau zu schauen und zu handeln. Will ich dieses Verhalten noch oder kann ich es gehen lassen? Dein Leben kann durch Klärung und aktives Handeln und Übernahme von Eigenverantwortung erfüllter, bunter und lebendiger werden.

Wenn du oder ihr dabei Unterstützung braucht, schreibt mir, ruft mich an. Bei einem Spaziergang oder Online können wir ganz Corona-konform für dich, für euch „Dinge“ klären und nächste Schritte setzen.

Alles Liebe und gut durchatmen

Sophia

Foto: copyright @ollyy by freepik

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